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HoyerswerdaPanorama auch Kultur

Hoyerswerda 1991: Gedenkwoche und ein Stein für Mike Zerna

35 Jahre nach den rassistischen Ausschreitungen erinnert Hoyerswerda vom 21. bis 27. September mit Ausstellungen, einem Stadtrundgang und einem Film. Am Sonnabend wird ein Gedenkstein für Mike Zerna eingeweiht – er starb 1993 nach einem Neonaziangriff.

Hoyerswerda 1991: Gedenkwoche und ein Stein für Mike Zerna
Das Plakat der Gedenkwoche vom 21. bis 27. September. Foto: Stadt Hoyerswerda/Initiative Zivilcourage, Gestaltung: Daniel Reiche

Was in Hoyerswerda im Herbst 1991 geschah

Im September 1991 belagerte ein Mob das Wohnheim für Vertragsarbeiter in der Albert-Schweitzer-Straße. Steine und Brandsätze flogen in die Fenster, Hunderte Anwohner standen daneben und klatschten Beifall, schreiben die Veranstalter der Gedenkwoche. Die Bewohner wurden schließlich aus der Stadt und außer Landes gebracht. Hoyerswerda wurde bundesweit zum Symbol rassistischer Gewalt nach der Wiedervereinigung.

In diesem Jahr jährt sich das zum 35. Mal. Die Stadt, die Initiative Zivilcourage und weitere Partner richten dazu vom 21. bis 27. September die Gedenkwoche „Hoyerswerda 1991: Erinnerungen – Einsichten – Perspektiven“ aus.

Die Madgermanes und das einbehaltene Geld

Im Mittelpunkt stehen diesmal die ehemaligen mosambikanischen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter. Rund 20.000 von ihnen kamen in die DDR, viele lebten und arbeiteten auch in Hoyerswerda. Von ihrem Lohn wurde ein Teil einbehalten; ausgezahlt werden sollte er nach der Rückkehr nach Mosambik. Ein großer Teil der Betroffenen hat das Geld nie bekommen. Bis heute kämpfen die sogenannten Madgermanes um ausstehende Leistungen, Entschädigung und Anerkennung.

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Am Mittwoch, dem 23. September, eröffnet um 14 Uhr im Lausitz-Center die Ausstellung „See my Story. Copyright by Madgermanes“. In sechs Videos und zwölf fotografischen Selbstporträts erzählen elf von ihnen ihre Geschichte selbst; entstanden ist das 2025 in Workshops in Maputo. Die Ausstellung ist bis zum 9. Oktober kostenfrei zu sehen.

Ein Gedenkstein für Mike Zerna in der Neustadt

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Am Sonnabend, dem 26. September, wird um 14 Uhr in der Ziolkowskistraße 35 ein Gedenkstein eingeweiht – am ehemaligen Standort des Clubs „Nachtasyl“. Dort wurde Mike Zerna nach Angaben der Veranstalter in der Nacht zum 20. Februar 1993 bei einem Neonaziangriff so schwer verletzt, dass er wenige Tage später im städtischen Klinikum starb. Er war 22 Jahre alt.

Die Idee für einen dauerhaften Gedenkort entstand im Austausch mit Angehörigen und Zeitzeugen; getragen wird sie von der Stadt und der Stadtpolitik. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh nimmt teil. Wer möchte, kann Blumen mitbringen. Zwischen 1990 und 2000 wurden im Umkreis von 50 Kilometern um Hoyerswerda mindestens sechs weitere Menschen aus rechten Motiven getötet, schreibt der Träger SUPPORT – RAA Sachsen im Programmheft.

Was die Gedenkwoche in Hoyerswerda sonst bietet

Den Auftakt macht am Montag, dem 21. September, die Ausstellung „Herbst ’91“ in der Volkshochschule am Lausitzer Platz 4. Sie rekonstruiert die Ereignisse anhand von Polizeiberichten und Zeitungsartikeln und bleibt bis zum Jahresende zu sehen.

Am Dienstag führt Christoph Wowtscherk vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben durch die Stadt und zu den Orten der Ereignisse; Treffpunkt ist 17 Uhr am Lausitzer Platz, angemeldet wird über die Volkshochschule. Am Mittwoch folgen um 15 Uhr die Veranstaltung „Pogrom 91 – Nie wieder ist jetzt!“ am Denkmal im Zentralpark, bei der ein neues Schulmaterial zu den Ereignissen vorgestellt wird, um 15.30 Uhr ein Kaffeegespräch im Martin-Luther-King-Haus und um 18 Uhr im Schloss der Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“ mit der Regisseurin Martina Priessner im Gespräch mit Grit Lemke.

Anlass für das Schulmaterial war eine Beobachtung der Kulturfabrik: Gerade Schülerinnen und Schüler in Hoyerswerda wüssten über das Pogrom von 1991 wenig, weil es im Unterricht kaum vorkomme. Den Abschluss bildet am Sonntag, dem 27. September, um 9.30 Uhr ein Gottesdienst im Martin-Luther-King-Haus.

Red./Presseinformation

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Foto: Stadt Hoyerswerda/Initiative Zivilcourage, Gestaltung: Daniel Reiche (Aufmacher).
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