Bautzen › Panorama auch Landkreis Görlitz
Bischof Timmerevers tritt zurück – was das für die Lausitz heißt
Papst Leo XIV. hat am Mittwochmittag den Amtsverzicht von Heinrich Timmerevers angenommen. Zehn Jahre lang war er Bischof von Dresden-Meißen – jenem Bistum, zu dem der Landkreis Bautzen und der Süden des Landkreises Görlitz gehören. Die Leitung geht nun an ein Domkapitel, das seinen Namen aus Bautzen trägt.
Ein Rücktritt ohne äußeren Anlass
Papst Leo XIV. hat am Mittwoch um 12 Uhr den Amtsverzicht von Heinrich Timmerevers angenommen. Der 74-Jährige war seit dem 27. August 2016 der 50. Bischof von Dresden-Meißen. Um seine Entpflichtung hatte er bereits vor einigen Monaten in Rom gebeten und sein Anliegen dem Papst bei einer Audienz persönlich erläutert.
„Ich spüre, dass die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben in dieser Verantwortung enorme Kraft gekostet haben“, erklärt Timmerevers. Er habe beschlossen, die Leitung des Bistums „in jüngere Hände zu übergeben“. Einen äußeren Anlass oder akute gesundheitliche Gründe gebe es nicht: „Dieses Bistum benötigt weiterhin eine Leitung mit uneingeschränkter Tatkraft. Ich spüre zugleich, dass das Alter und die zahlreichen Aufgaben auch bei mir ihre Spuren hinterlassen haben.“
Das Datum ist mit Bedacht gewählt. Der 2. September ist Timmerevers’ 25. Weihetag zum Bischof. Sein 75. Geburtstag – der Termin, zu dem Bischöfe dem Papst üblicherweise ihren Rücktritt anbieten – wäre erst am 25. August 2027 gewesen. Dresden bleibt er treu: In eine Mietwohnung in der Stadt will er ziehen und dem Bistum „auf Wunsch weiterhin gerne als Seelsorger“ zur Verfügung stehen.
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Die Bistumsgrenze verläuft mitten durch unser Gebiet. Zum Bistum Dresden-Meißen gehören der gesamte Landkreis Bautzen und der Süden des Landkreises Görlitz – die Pfarrei St. Marien Zittau umfasst Löbau, Ostritz und Zittau. Der ehemals preußisch-schlesische Nordosten mit der Stadt Görlitz, Niesky und Weißwasser bildet dagegen das eigenständige Bistum Görlitz mit eigener Kathedrale und eigenem Bischof. Dort ändert sich nichts.
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Mediadaten anfordernDer Bautzener Dom St. Petri ist die Konkathedrale des Bistums, also seine zweite Bischofskirche. Von 1921 bis 1980 saß das Bistum sogar in Bautzen, ehe der Sitz nach Dresden verlegt wurde. Und im Landkreis Bautzen liegt mit den sorbischen katholischen Gemeinden um Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Ralbitz und Wittichenau die einzige Gegend Ostdeutschlands, in der die katholische Kirche nie zur Minderheit von wenigen Prozent wurde. Eines von fünf Dekanaten des Bistums heißt Bautzen.
Die schmerzliche Entscheidung hieß Schmochtitz
Timmerevers’ zehn Jahre waren zehn Jahre Umbau. Aus 97 Pfarreien wurden ab 2017 binnen drei Jahren 37 größere Einheiten. Seit 2021 läuft ein Strategieprozess, mit dem das Bistum langfristig einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen will. Das Bistum selbst nennt in seiner Mitteilung die dabei getroffenen „schmerzlichen Entscheidungen“ – und als jüngstes Beispiel die Aufgabe des Bildungsguts Schmochtitz Sankt Benno bei Bautzen. Der Betrieb läuft dort noch bis zum 31. Juli 2027, die Suche nach einem neuen Träger hat begonnen.
Beachtung fand daneben sein Einsatz für die Ökumene, etwa die geplante gemeinsame Akademie mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals stieß er nach Darstellung des Bistums „bisweilen auch auf heftigen Widerstand von Kritikern“.
Ein Kapitel aus Bautzen führt jetzt das Bistum
Mit der Annahme des Amtsverzichts ist die Sedisvakanz eingetreten – der Bischofsstuhl ist unbesetzt. Die Leitung geht auf das Domkapitel St. Petri über, das binnen acht Tagen einen Diözesanadministrator wählen muss. Der hat viele Rechte eines Bischofs, darf aber keine Entscheidungen treffen, die das Bistum grundlegend verändern.
Das Kapitel trägt seinen Namen nicht zufällig. Anfang des 13. Jahrhunderts in Bautzen gegründet, blieb es in der Reformation katholisch und verwaltete von 1570 bis 1921 das Bistum Meißen in beiden Lausitzen. Erst 1980 zog es mit dem Bischof nach Dresden. Das Domstift hinter dem Bautzener Dom gehört ihm bis heute, samt Domschatzkammer und Bistumsarchiv. Zwei seiner sechs residierenden Mitglieder kommen aus dem Landkreis Bautzen: Dompfarrer Veit Scapan aus Bautzen und Pfarrer Stephan Delan aus Ralbitz.
Parallel beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Sie kann erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern. Für Dresden-Meißen gilt das Badische Konkordat: Rom sichtet die Empfehlungen des bisherigen Bischofs und die Vorschläge des Domkapitels und stellt daraus einen Dreiervorschlag zusammen, der mindestens einen Kandidaten aus dem Bistum enthalten muss. Aus dieser „Terna“ wählt das Domkapitel in geheimer Wahl.
Abschied am Samstag
Der Festgottesdienst am Samstag, 5. September, um 10.30 Uhr in der Dresdner Kathedrale war als Feier zum silbernen Bischofsjubiläum geplant. Nun wird er zugleich die Verabschiedung. Die Predigt hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Erwartet werden unter anderem der Berliner Erzbischof Heiner Koch und der sächsische Landesbischof Tobias Bilz. Das Bistum lädt die Gläubigen zur Mitfeier ein und bittet um Anmeldung; den Gottesdienst überträgt es im Livestream.
Bilz würdigte Timmerevers am Mittwoch: „Wir haben miteinander erfahren, welcher Segen entsteht, wenn man Leben und Glauben wirklich teilt.“ Sachsens Kultusminister Conrad Clemens nannte den Bischof einen „verlässlichen Partner“; erst vor wenigen Tagen habe man gemeinsam das 30-jährige Bestehen des Staatskirchenvertrags zwischen Sachsen und dem Heiligen Stuhl gewürdigt. Timmerevers ist auch Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz.
Die vollständige Mitteilung des Bistums Dresden-Meißen
Red./Presseinformation
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