Zittau › Wirtschaft auch Görlitz · Bildung
Hanf, Flachs, Laub: Zittauer Hochschule erforscht das Faser-Revier
Was wird aus der Lausitz nach der Kohle? Ein neues Forschungsprojekt der Hochschule Zittau/Görlitz sucht die Antwort im Acker: Hanf, Flachs, Brennnessel und Laub sollen Rohstoff für Bauplatten, Verpackungen und Autoteile werden. Drei Jahre Zeit hat das Team dafür.
Nicht Hemden, sondern Bauteile
Über Jahrhunderte war die Lausitz ein Zentrum der europäischen Textilwirtschaft. An diese Tradition knüpft das Projekt an – aber nicht bei der Kleidung. Gesucht werden moderne Anwendungen: naturfaserverstärkte Kunststoffe, Spezialpapiere, Leichtbauplatten, Faserverbundstoffe, industrielle Formteile etwa für die Automobilindustrie und neuartige Verpackungen.
Als Rohstoffe kommen Flachs, Nutzhanf, Fasernessel und Miscanthus in Frage – Pflanzen, die in der Lausitz wachsen. Einbezogen werden außerdem Reststoffe, die ohnehin anfallen: landwirtschaftliches Stroh und kommunales Laub.

Von der Türinnenverkleidung über Pressplatten und Vliesmatten bis zum Bewehrungskorb für Beton: Beispielprodukte aus Faserpflanzen, entwickelt in früheren Vorhaben der Hochschule. Foto: Richard Harnisch, IÖW
Was in Zittau gerechnet wird
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Das Zittauer Institut für Verfahrensentwicklung, Kreislaufwirtschaft, Oberflächentechnik, Naturstoffforschung – kurz ZIRKON – baut ein regional aufgelöstes Stoffstrommodell. „Mit der Modellierung können wir aufzeigen, wie die Biomasse unserer Region derzeit genutzt wird und welche Wertschöpfungsketten es zukünftig geben könnte“, sagt Professor Jakob Hildebrandt vom ZIRKON. Das Modell soll auch zeigen, wo Engpässe oder Flächenkonkurrenzen entstehen könnten – also etwa dort, wo Hanf mit Nahrungsmitteln um Ackerfläche konkurriert.
Was in Görlitz besprochen wird
Den zweiten Teil übernimmt das Görlitzer Institut für Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung (TRAWOS). Es organisiert Workshops mit Betrieben, Landwirtschaft und Verwaltung. „Wie kommt es dazu, dass eine Landwirtin auf den Anbau von Nutzhanf wechselt? Was gibt einem Baustoffhersteller den Impuls, in neue Verarbeitungsanlagen zu investieren?“, beschreibt Professorin Maja Dshemuchadse die Fragen. Die Antworten darauf entscheiden nach ihrer Darstellung darüber, ob aus einer Idee eine Lieferkette wird.
„Eine neue Naturfaserwirtschaft lässt sich nur aufbauen, wenn Landwirtschaft, verarbeitende Betriebe und Unternehmen, die die entwickelten Produkte einsetzen, eng zusammenarbeiten“, sagt Projektleiterin Alexandra Dehnhardt vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, das die Arbeit gemeinsam mit der Hochschule verantwortet.
Drei Jahre, offen für Mitmacher
Das Vorhaben läuft über drei Jahre und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Am Ende sollen mehrere Transformationspfade stehen sowie Empfehlungen für die praktische Umsetzung. Betriebe und Landwirte, die mitreden wollen, können sich beim Projektteam melden; Informationen stehen unter lautra-projekt.de.
Red./Presseinformation
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