Prachteinband der Renaissance stand unerkannt im Görlitzer Regal
Fast 300 Jahre lang stand ein Buch in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften, ohne dass jemand seinen Einband erkannte. In diesem Jahr stellte sich heraus, dass er von einem der bedeutendsten Buchbinder der Renaissance stammt. Vom 15. Oktober an ist er zu sehen.
Ein Geschenk von 1731, dessen Wert niemand sah
Der mit Vergoldungen und farbiger Lackmalerei verzierte Ledereinband enthält eine theologische Lehrsammlung des 16. Jahrhunderts. In Auftrag gegeben hatte ihn Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg bei Lukas Weischner, einem der bedeutendsten Buchbinder der Renaissance im deutschsprachigen Raum.
1731 schenkte der Zittauer Theologe und Kirchenlieddichter Urban Gottlieb Hausdorf das Buch der Milichschen Bibliothek. Dort stand es seitdem zwischen anderen Folianten – unerkannt, bis es in diesem Jahr identifiziert wurde.
„Historische Bucheinbände sind weit mehr als schöne Hüllen“, sagt Dr. Steffen Menzel, der Leiter der Bibliothek. „Sie erzählen von ihren Besitzern, von Geschmack und Repräsentationsbedürfnis, von handwerklichem Können und davon, welchen Wert Menschen ihren Büchern beimaßen. Manchmal werden diese Zusammenhänge sogar erst nach Jahrhunderten erkannt.“
Vier Jahrhunderte Einbandkunst in der Schatzkammer
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Vom 15. Oktober an zeigt die Bibliothek eine Auswahl ihrer Bestände in der Schatzkammer des Barockhauses an der Neißstraße 30. Darunter ist auch das älteste Schriftstück des Hauses: Das Fragment einer Pergamenthandschrift aus dem 10. Jahrhundert diente als Einband für zwei Drucke des Jahres 1585.
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Mediadaten anfordernZu sehen ist außerdem ein Gesangbuch der Böhmischen Brüder von 1576, in karminroten Samt gebunden und mit Prägungen aus Gold und Silber. „Bücher, die für ihre Besitzer von besonderem symbolischem Wert waren, wurden in damals kostbare und luxuriöse Textilien eingebunden“, so Menzel.
60 Fachleute aus sechs Ländern kommen nach Görlitz
Anlass für die Schau ist eine internationale Tagung zur Einbandforschung, deren Gastgeberin die Oberlausitzische Bibliothek in diesem Jahr ist. Vom 22. bis 24. Oktober tauschen sich rund 60 Fachleute aus der Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien, Großbritannien und Deutschland über neue Forschungsergebnisse aus. Im Mittelpunkt steht die Bibliothekslandschaft des mittel- und ostmitteleuropäischen Raumes.
Die Bibliothek ist für ihre Sammlung über die Fachwelt hinaus bekannt. Die ältesten Exemplare reichen bis in die Frühzeit des Buchdrucks zurück, und manches Werk – etwa die Bibel des Franzysk Skaryna – gibt es in deutschen Bibliotheken kein zweites Mal.
Eröffnung und Öffnungszeiten
Eröffnet wird die Ausstellung „AUS LEDER, SAMT UND PERGAMENT. Historische Bucheinbände aus Görlitz“ am Donnerstag, 15. Oktober, um 17 Uhr in der Schatzkammer des Barockhauses. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei. Danach läuft die Schau bis zum 24. Oktober 2027; der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nichts.
Weitere Informationen stehen unter goerlitzer-sammlungen.de.
Red./Presseinformation
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Foto: Henry Töpfer, Görlitzer Sammlungen (Aufmacher).
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