Vortrag in Görlitz: Was hinter Essstörungen steckt
Am 16. September spricht Sina Ulrich, Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin am Städtischen Klinikum Görlitz, über Anorexie, Bulimie und Binge-Eating. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nennt das Haus nicht.
Wann aus Kontrolle eine Krankheit wird
Der Vortrag nimmt drei Erkrankungen in den Blick, die sich nicht nur in ihren sichtbaren Merkmalen unterscheiden: Anorexie, Bulimie und Binge-Eating. Auch die seelischen Mechanismen dahinter sind nach Angaben des Klinikums verschieden. Eine der Fragen des Abends lautet, an welcher Stelle aus einer Diät oder einer bewussten Kontrolle des Essens ein krankhaftes Verhalten wird.
Bei einer Anorexie könne die Kontrolle und die Angst, sie zu verlieren, im Vordergrund stehen, heißt es in der Mitteilung. Menschen mit Bulimie oder Binge-Eating erlebten dagegen häufig starke innere Spannungen und einen Kontrollverlust. Essstörungen könnten als Versuch entstehen, schwer auszuhaltende Gefühle oder belastende Erfahrungen zu regulieren.
Eine Besonderheit macht die Behandlung schwer: Essen gehört zum Alltag, ist jederzeit verfügbar, und ohne Essen lässt sich nicht überleben – anders als bei Zigaretten oder Alkohol. Weil das Verhalten dennoch suchtähnliche Züge trägt, sind für die drei Krankheitsbilder auch die Begriffe Magersucht sowie Ess- und Brechsucht gebräuchlich.
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„Eine Essstörung ist keine Frage mangelnder Disziplin. Dahinter stehen oft erhebliche seelische Belastungen“, sagt Sina Ulrich. „Viele Betroffene benötigen Zeit und Unterstützung, um darüber sprechen und Hilfe annehmen zu können.“
Auch für Angehörige gedacht
Ein zweiter Teil des Abends richtet sich an Eltern, Partner und Freunde. Sie stehen oft vor der Frage, woran sie erste Anzeichen erkennen und wie sie das Thema ansprechen können, ohne zu verletzen. Bemerkungen über Gewicht, Körperform oder Aussehen könnten Betroffene zusätzlich beschämen, heißt es dazu vom Klinikum. Der Vortrag nennt Hinweise für einen behutsamen Umgang und zeigt, welche Veränderungen aufmerksam machen sollten.
Wächst der Leidensdruck, rät das Klinikum, sich an die Hausarztpraxis, an eine psychotherapeutische Praxis oder an eine Institutsambulanz zu wenden.
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Foto: Nathalie Wittig/Städtisches Klinikum Görlitz (Aufmacher).
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