Zuschuss für die Zittauer Schmalspurbahn steht auf der Kippe
Der Verkehrsverbund muss sparen und prüft, seine Zahlung an die Schmalspurbahn auslaufen zu lassen. Grund sind stark gestiegene Trassenpreise – allein für 2025 droht eine Nachzahlung von 9,5 Millionen Euro.
Der Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen prüft, seinen Zuschuss für die Zittauer Schmalspurbahn auslaufen zu lassen. Die Zahlung läuft bisher zusätzlich zu den Mitteln des Landes. Sie ist einer von mehreren Posten, an denen der Verband sparen will – er ist seit Januar auch für den Nahverkehr in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zuständig.
Neun Prozent mehr für jeden gefahrenen Kilometer
Auslöser ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. März, das die bisherige Trassenpreisbremse im Schienennahverkehr für nichtig erklärte. Die Bundesnetzagentur hob daraufhin die Genehmigungen für die Trassenpreissysteme der DB InfraGO auf. Für 2026 bedeutet das: Was eine S-Bahn oder ein Regionalzug je Kilometer für die Nutzung der Schiene zahlen muss, ist um rund neun Prozent gestiegen.
Auf den Verband kommen dadurch erhebliche Summen zu. Für 2025 droht rückwirkend eine Nachzahlung von 9,5 Millionen Euro, für 2026 fallen 8,8 Millionen Euro zusätzlich an. Für 2027 ist eine weitere Steigerung der Trassenentgelte um 7,8 Prozent beantragt; der Verband rechnet für die Folgejahre mit mehr als 14 Millionen Euro Mehrbelastung pro Jahr. Dazu kommen höhere Entgelte für die Nutzung der Bahnhöfe.
Weniger Züge ab Dezember, Kürzungen auch in der Verwaltung
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»Diese Entscheidung fällt uns außerordentlich schwer, da wir das Angebot lieber ausbauen als reduzieren wollen«, sagt Burkhard Ehlen, Geschäftsführer des Verbandes. Ohne finanzielle Unterstützung des Landes oder rasche Entscheidungen zu neuen Trassenpreisen auf Bundesebene bleibe keine andere Wahl. »Was wir hier erleben, ist die Verkehrswende im Rückwärtsgang.«
Zum Fahrplanwechsel im Dezember fährt zunächst die Regionalbahn RB 45 zwischen Döbeln und Elsterwerda am Wochenende nur noch alle zwei Stunden, auf der S 3 entfällt der Abschnitt Tharandt–Freiberg. Weitere Kürzungen werden geprüft, unter anderem der komplette Wegfall der RB 71 zwischen Pirna und Sebnitz. Diese Strecken liegen außerhalb der Oberlausitz – für unsere Region steht bislang die Schmalspurbahn auf der Liste. Außerdem will der Verband die Mittel zur Förderung von Infrastruktur um voraussichtlich drei Millionen Euro kürzen und sein Verwaltungsbudget um zehn Prozent senken.
Zweite Sparrunde für die Bahn binnen zwei Jahren
Für die Schmalspurbahn wäre es nicht der erste Einschnitt. 2025 wollte das sächsische Infrastrukturministerium die Bestellergelder für die Schmalspurbahnen im Freistaat kürzen – im ersten Entwurf von rund 14 auf 8 Millionen Euro im Jahr. »Damit standen wir am Abgrund. Das hätte schlicht das Ende der Zittauer Schmalspurbahn bedeutet«, sagte Geschäftsführer Ingo Neidhardt damals. Am Ende blieb es bei einem Abschlag von 10,9 auf 10 Millionen Euro.
Folgen hatte das trotzdem: Drei Beschäftigte mussten gehen, der Sachsenzug wurde dauerhaft abgestellt, die historische Sächsische IVK stillgelegt und der Werktagsverkehr in den schwachen Monaten Dezember, Januar und März gestrichen. Eine zusätzlich drohende Zehn-Prozent-Kürzung im Doppelhaushalt wurde nach einer Intervention von Landrat Stephan Meyer innerhalb der Region abgewendet. Jene Mittel kamen vom Land – bei dem jetzt geprüften Zuschuss handelt es sich um eine zusätzliche Zahlung des Verbandes.
Ein umfassendes Reduktionskonzept wird derzeit erarbeitet. Über die Umsetzung entscheidet die Verbandsversammlung.
Red./Presseinformation
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Foto: Sualkdd, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (Aufmacher).
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